Ein so ganz anderer Abend als das 2017 zuletzt gehörte „Stabat mater“ von Pergolesi ist drei Studentinnen der Berufsfachschule für Musik Dinkelsbühl am vergangenen Dienstag, 9. April 2019, gelungen.

Frühlingshaft, hell und leicht legten sie ihr Schumann-Programm vor.

Robert Schumann, geboren 1810 in Zwickau, war neben Franz Schubert, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Johannes Brahms einer der vier wichtigsten Komponisten der deutschen Romantik.

Nachdem er sich in Leipzig und Heidelberg zwei Jahre lang durch ein Jurastudium gequält hatte, folgte er endlich seiner größten Neigung, der Musik. Bei Friedrich Wieck, einem der bedeutendsten Klavierpädagogen des 19. Jahrhunderts, begann er in Leipzig seine Ausbildung zum Konzertpianisten. Hier lernte er auch die um neun Jahre jüngere Tochter seines Lehrers, die begabte Konzertpianistin Clara Wieck kennen. Sie wurde nach gerichtlicher Auseinandersetzung mit dem Vater, der vehement gegen diese Verbindung war, 1840 seine Frau.
Schumann war wie Felix Mendelssohn-Bartholdy ein Multitalent. Letztgenannter war neben der Musik ein begabter Maler.

Schumanns Lyrik, Prosa und Dramenentwürfe standen in seinen Anfangsjahren gleichberechtigt neben seinen Kompositionen. Zur Tragik Robert Schumanns gehört wohl auch seine legendäre Behinderung, die schlussendlich seine Ausbildung zum Pianisten vereitelte. Er habe sie sich durch einen selbst konstruiertes, martialisches Übegerät erworben, so hieß es lange Zeit. Als viel wahrscheinlicher wird heute jedoch ein so genannter Musikerkrampf angenommen.

Er verlegte sich danach aufs Komponieren und Dirigieren und war sein kurzes Leben lang, er starb schon 1856 in geistiger Umnachtung bei Bonn, ein gefragter, wenn auch nicht ganz unangefochtener, Orchesterdirigent. Auch der Methodik und Didaktik im musikalischen Bereich hat er mit Kinderszenen, Album für die Jugend Opus 68 und Opus 79, für Klavier und Gesang, Papillons und Waldszenen ein bedeutendes Oeuvre hinterlassen.

Robert und Clara Schumann hatten gemeinsam acht Kinder, von denen immerhin vier pianistisch, kompositorisch und/oder musikpädagogisch in Erscheinung traten. Auch der junge Johannes Brahms lebte einige Jahre mit im Haushalt des von ihm sehr verehrten Meisters und seiner nicht minder verehrten Frau, um von beiden zu lernen.
Die drei begabten Studentinnen im Hauptfach Gesang der Berufsfachschule für Musik in Dinkelsbühl präsentierten im Konzertsaal im Spitalhof Schumanns etwas unbekannteres Album für die Jugend für Gesang Opus 79, bestehend aus 28 Liedern und Duetten.

Schumann-Liederabend-1Zwei Mezzosopranistinnen (Lisa Marie Haid und Nolwenn Tilly) und eine Sopranistin (Kiana Richter) agierten unter der Regie ihrer Dozentin für Hauptfach Gesang und Ensemble Julia Küßwetter und begleitet von ihrer Dozentin für Hauptfach Klavier und Korrepetition Britta Köstner ausgesprochen professionell. Anrührende und vergnügliche Miniaturen entstanden hierbei durch die jungen Sängerinnen. Lisa Marie Haid gefiel besonders als armes Waisenkind mit weichem Timbre, Kiana Richter als ungezogenes Kind, das „nie zur Kirche sich bequemen“ wollte, in der Goethe-Vertonung „Die wandelnde Glocke“. Auch Nolwenn Tilly überzeugte als vergeistigte Mignon mit voll tönendem Alt.
Eine willkommene Abwechslung für die Ohren der Zuhörer entstand auch durch geschickt eingestreute Klavierstücke aus Album für die Jugend Opus 68. Da alle Gesangsstudentinnen im Nebenfach auch Klavier belegen müssen, spielten sie diese ganz einfach selbst.

Der bezaubernde Abend wurde durch die sprühend fantasievolle Regie von Julia Küsswetter und die feinsinnige und delikate Klavierbegleitung von Britta Köstner getragen.
Da flogen akrobatisch aufgefangene Schaufeln durch die Luft, es wurde um Pappmachétorten gebalgt und Messer wurden gezückt. Alles ganz harmlos, ganz im Dienste der Kunst. Den Studentinnen war jedenfalls die Freude am monatelangen Stimm-und Schauspieltraining deutlich anzumerken. Da stimmte jede Handbewegung, jedes Detail.
Mit anhaltendem Beifall wurden sie für den zauberhaften Abend belohnt und bedankten sich mit der Mörike-Vertonung „Er ist’s“ als Zugabe.